Anorganische Chemie ist eine frei verfügbare Einführung in die anorganische Chemie. Details zum Buch finden Sie im Editorial....


Rauchgasentschwefelung

Autor: Hans Lohninger

Die Abgase von Verbrennungsvorgängen fossiler Brennstoffe (vor allem Schweröl und Kohle) enthalten erhebliche Mengen an Schwefeldioxid, das sich mit der Feuchtigkeit in der Luft zu saurem Regen verbindet. Nachdem die Schäden aus dem sauren Regen (Baumsterben, erhebliche Beschädigung vieler Kulturbauten) zu stark geworden waren, wurde in den 1970er Jahren begonnen, das Rauchgas von Kraftwerken zu entschwefeln, wobei sich von den vielen Verfahren zur Enschwefelung bei Kraftwerken praktisch ausschließlich das Calciumcarbonat-Verfahren durchgesetzt hat. Für spezielle Anwendungen, z.B. in Raffinerien, wird aber auch das Wellman-Lord-Verfahren eingesetzt.

Calciumcarbonat-Verfahren
Beim Calciumcarbonat-Verfahren wird das Schwefeldioxid mit einer wässrigen Suspension von fein gemahlenem Kalkstein ausgewaschen. Dabei reagiert das Schwefeldioxid mit dem Kalkstein (Calciumcarbonat) zu Calciumsulfit:

CaCO3 + SO2 CaSO3 + CO2

Das Calciumsulfit wird weiter mit Luftsauerstoff zu Calciumsulfat oxidiert:

2 CaSO3 + O2 2 CaSO4

Der entstandene Rauchgasgips (REA-Gips) wird zum Teil in der Bauindustrie verwendet, großteils aber deponiert.

Wellman-Lord-Verfahren
Beim Wellman-Lord-Verfahren wird das Schwefeldioxid mit einer Natriumsulfit-Lösung herausgewaschen. Dabei bildet sich Natriumhydrogensulfit:

Na2SO3 + SO2 + H2O 2 NaHSO3

Die Reaktion kann durch Erhitzen umgekehrt werden, so dass man das in der Waschanlage gebundene SO2 in konzentrierter Form wiedergewinnen und zu Schwefel bzw. Schwefelsäure weiter verarbeiten kann. Das Natriumsulfit wird wieder in den Waschkreislauf rückgeführt. Das Wellman-Lord-Verfahren wird besonders in Raffinerien eingesetzt, da man hier das Schwefeldioxid kostengünstig mit dem ohnehin anfallenden Schwefelwasserstoff zu elementarem Schwefel umsetzen kann.



Last Update: 2013-08-08